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Bindungsschmiede-CR Charlene Rauhut - Berlin-Pankow und Orannienburg

Erschöpfte Eltern – und wenn es einfach nicht funktioniert?

  • vor 4 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Erschöpfte Mutter hält ihr neurodivergentes Kind – Symbolbild systemische Elternberatung

Ich bin müde. Nicht nur ein bisschen. Richtig müde. Der Kopf ist voll mit zehntausend Dingen. Die Schule will noch einen Beitrag fürs Buffet. Die Zeugnismappe muss abgegeben werden. Die Therapietermine für die Ferien – wann findet was statt, was muss verschoben werden, und wo sind wir eigentlich wann genau? Tage blocken oder einfach mal Ferien machen? Ist so eine lange Unterbrechung gut? Aber brauchen wir nicht auch mal eine richtige Auszeit? Na gut – erstmal planen, im Zweifel kurzfristig entscheiden. Das neue Schuljahr … ja, aber jetzt sind erstmal Ferien. Und doch – lieber vorbereitet hineingehen, damit der Start gelingt?

Ach ja, die Geburtstagsfeier, direkt nach den Ferien. Letztes Jahr konnte niemand kommen, diesmal also früher organisieren. Und was, wenn sich bis dahin ohnehin alles wieder ändert? Einschulung, Kitaabschluss, alle Sachen zusammensuchen – auf die To-do-Liste: rechtzeitig die Größen prüfen!

Zurück zum Jetzt. Ich brauche mehr Energie. Ja, genau – loslassen, atmen, so was. Gut. Kommt auf die To-do-Liste. Macht das überhaupt Sinn? Vermutlich hilft es so nicht.


Der innere Dialog erschöpfter Eltern


Ein innerer Dialog. Einer von vielen, aus den letzten Stunden, Tagen, Wochen. Wie viel lastet eigentlich auf den Schultern von Müttern, Vätern, Eltern? Das Leben mit Kindern ist ein Strom aus Gedanken, Gefühlen und endlosen Aufgaben. Und mittendrin entsteht eine Zerrissenheit: das Wissen darum, was gebraucht wird – und die Frage, wie Kinder heute begleitet werden dürfen.

Bedürfnisorientierung, ja. Aber wessen Bedürfnisse eigentlich? Natürlich nicht nur die der Kinder. Auch die eigenen wollen gehört werden. Nur – was heißt das konkret?


Wenn das eigene Kind neurodivergent ist


Und dann ist da dieses eine Kind. Neurodivergent – ein Wort, das sich manchmal wie ein Modebegriff anfühlt, und das doch genau das eigene Kind beschreibt. So viele Ansätze, so viel Gleichwürdigkeit, probieren, lesen, das eigene Nervensystem beruhigen. Natürlich nicht schreien. Und trotzdem: Warum funktioniert hier so vieles nicht? Hier sind gerade alle am Limit.


Genau das spiegelt den Alltag unzähliger Familien und erschöpfter Eltern wider. Das Leben mit Kindern ist herausfordernd – so viel steht fest. Aber bei manchen fühlt es sich eben immer nach etwas mehr an. Mehr Eskalation, mehr Streit, mehr Druck, alles im Griff haben und vorausplanen zu müssen.


Warum Selbstregulation und Netzwerk manchmal nicht reichen


Und dann funktioniert so vieles einfach nicht. Sich selbst regulieren, damit das Kind gut begleitet und co-reguliert werden kann. Ressourcen nutzen und auf ein Netzwerk zurückgreifen. Die Kinder mal abgeben, um Kraft zu tanken oder etwas in Ruhe zu erledigen. Systemisch betrachtet ist genau das der Punkt: Ein Familiensystem trägt sich nicht durch das Bemühen eines Einzelnen, sondern durch Entlastung, die im ganzen System ankommt. Aber manchmal geht eben genau das nicht.

Sind die Kinder länger in Fremdbetreuung, brechen sie danach umso mehr in sich zusammen. Selbst bei den Großeltern bedeutet es für manche Kinder ein so hohes Maß an Kooperation, dass am Ende keine wirkliche Entlastung entsteht – nur eine Verschiebung. Und die Rückmeldungen zum eigenen Kind, das dort irgendwann aus sich herausbricht, müssen hinterher selbst erst wieder verarbeitet werden.

Das ist ein permanentes Bemühen: das eigene Kind gut zu begleiten, Schutzschild zu sein, für das Kind zu übersetzen, während die eigenen Elternfähigkeiten angezweifelt werden, eigene Zweifel, Sorgen und Ängste sortieren, an den eigenen Ansprüchen scheitern und seltener so reagieren zu können, wie man es sich selbst vornimmt. Ein ständiger Wechsel zwischen totalem Verständnis für das eigene Kind und gleichzeitig eigener Überforderung, Überlastung, Wut und blank liegenden Nerven. Und manchmal doch auch der Frage, ob der eigene Weg wirklich richtig ist, wenn doch nichts so richtig funktioniert.


Und wenn es einfach nicht funktioniert?


Hier lohnt es sich, kurz innezuhalten – bei genau der Frage, die am Anfang stand: Und wenn es einfach nicht funktioniert? Wenn Regulieren, Netzwerk nutzen, Abgeben nicht greifen, weil das System selbst schon zu erschöpft ist?

Dann ist das kein persönliches Versagen. Es ist ein Signal des Systems: Die Belastung übersteigt die vorhandenen Ressourcen. Dann helfen keine weiteren Strategien, sondern zuerst etwas anderes: gesehen und anerkannt zu werden, genau in diesem Zustand.

Der Weg, den Eltern hinter sich haben, wenn sie vollkommen erschöpft und hilflos in die Beratung kommen. Es braucht deshalb in erster Linie eines: totale, spürbare Anerkennung. Sich wirklich verstanden und NICHT ALLEIN zu fühlen, schafft wirklich spürbare Entlastung. Nicht sofort die nächste Idee, den nächsten Ansatz, die nächsten To-dos. Sondern zuerst: Ja, das ist wirklich viel. Ja, das ist genau so schwer sein, wie es sich anfühlt. Erst von diesem Boden aus lässt sich wieder gemeinsam schauen, was das System – die ganze Familie – tatsächlich trägt.



Wenn dich dieser Beitrag berührt hat, lies auch „Der Leitwolf trägt – er kämpft nicht" – über Führung und Halt in der Elternschaft nach Jesper Juul.


Du erkennst dich in diesen Zeilen wieder? Wenn Selbstregulation, Netzwerk und Abgeben gerade nicht reichen, muss das niemand allein tragen. In der systemischen Elternberatung der Bindungsschmiede-CR schauen wir gemeinsam, was dein Familiensystem trägt – jenseits der nächsten To-dos. Jetzt Kontakt aufnehmen und Termin vereinbaren.

 
 
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